Stolpersteine 2015

In mehrfacher Hinsicht unterschied sich die am Donnerstag, 23. April 2015, in würdigem Rahmen in Gemünd, Wolfgarten und Morsbach stattgefundene Verlegung weiterer Stolpersteine zur Erinnerung an Opfer nationalsozialistischer Gewaltpolitik von früheren Veranstaltungen dieser Art.

Erstmals wurden beispielsweise auch zwei Namenssteine nicht-jüdischer Opfer verlegt. Beim Auftakt der vom Gemünder Arbeitskreis Stolpersteine vorbereiteten Gedenkveranstaltung vor der Alten Schule in Gemünd begrüßte Bürgermeister Udo Meister die Teilnehmer, zu denen auch ein Projektkurs des Städtischen Gymnasiums und der Realschule Schleiden mit den Lehrerinnen Heike Schumacher und Felicitas Müller gehörten. Ein besonders herzliches Willkommen galt Hanna Zack, verheiratete Miley, und ihrem Mann George. Sie waren eigens früher als geplant aus den USA in die Eifel gekommen. Frau Miley war bereits beim Gemünder Stadtjubiläum 2013 die Schirmherrin gewesen. Sie ist eine in Gemünd geborene Holocaust-Überlebende, ihre Familie und Freunde starben in den Tötungsfabriken im Osten. Es handelte sich bereits um die dritte Verlegung von Erinnerungssteinen durch diesen Arbeitskreis. Nachdem erstmals beim Stadtjubiläum 2013 in Gemünd diese Form des Gedenkens mit dem Künstler Gunter Demnig praktiziert worden war, hatte der Arbeitskreis seine Forschungen nach den Schicksalen weiterer ehemaliger Gemünder Juden intensiv fortgesetzt. Das führte 2014 zur zweiten Verlegung von Gedenksteinen. Zu der jetzigen dritten Verlegung von Stolpersteinen unter tatkräftiger Mithilfe der Stadt, insbesondere von Adreas Glodowski und dem Bauhof, die am Kunstforum an der Dreiborner Straße begann, waren wieder zahlreiche Bürger und Akteure aus der regionalen Gedenkszene gekommen. Zu ihnen gesellten sich auch einige Nachfahren und andere Verwandte der Opfer. Für zehn der aus rassistischen Motiven heraus im Nationalsozialismus ermordeten jüdischen Opfer wurden durch den Künstler Gunter Demnig in Gemünd Gedenksteine verlegt: Neun an der Dreiborner Straße und einer in Mauel. Erstmals gedachte der Arbeitskreis auch zwei nicht-jüdischer Opfer. An der Dorflinde in Wolfgarten wurde für den aus Köln in den Ort geflohenen angeblich homosexuellen und politisch oppositionellen Karl Bonaszewski ein Stein verlegt. An Maria Daniel aus Morsbach, ein Euthanasie-Opfer, erinnert nun ebenfalls ein Stein.

Georg Toporowsky, Sprecher des veranstaltenden Arbeitskreises, verwies bei seiner Begrüßung darauf, dass heute, gerade 70 Jahre nach der Befreiung der Vernichtungs- und Konzentrationslager durch die Alliierten, schon wieder 60 Prozent aller Deutschen dazu neigten, einen ‚Schlussstrich‘ unter diese düstere Geschichte zu ziehen. Toporowsky stellte die vielzitierte These dagegen: „Ohne Auschwitz ist kein Deutschland möglich. Das war viel mehr als ein geschichtliches Ereignis unter vielen. Das war einmalig.“ Dabei gehe es gar nicht um eine Schuldzuweisung. Die Stolpersteine sollen vielmehr dazu beitragen, dass die Geschichte der Opfer aus der Region nicht verdrängt würde. Es gehe darum, „diese Opfer zurückzuholen in unsere Mitte“. Es sei beschämend, wie wenig schon jetzt über die Opfer überhaupt noch in Erfahrung gebracht werden konnte: „Sie sind aus dem Gedächtnis bereits getilgt.“ Es ist den intensiven Forschungen von Norbert Stoffers zu verdanken, dass dennoch so viele Detailinformationen insbesondere zu den jüdischen Opfern zutage kamen. Bürgermeister Udo Meister dankte vor allem der anwesenden Hanna Miley: „Sie, Hanna, geben uns die Kraft, auf dem gemeinsamen Weg der Versöhnung voranzuschreiten.“ Die Stadt habe sich seit dem Jubiläum 2013 dem Thema gestellt. Der Künstler Gunter Demnig berichtete, dass die Stolpersteine für ihn zunächst eher „reine Konzeptkunst“ gewesen seien. Nachdem er nun zwischen Norwegen und Süditalien mehr als 52.000 Stolpersteine verlegt habe und im September in Saloniki in Griechenland ebenfalls Steine verlegt werden, hätten die Steine für ihn auch eine ganz andere Bedeutung gewonnen: „Stolpersteine sind auch eine Art Schlusssteine.“ Die nachfolgenden biografischen Angaben zu den Opfern, für die nun Stolpersteine verlegt wurden, fußen auf den Forschungen des Arbeitskreises Stolpersteine Gemünd, die Georg Toporowsky ausformulierte. Die Darstellungsweise soll keine Wertung der Opfer vornehmen, sondern klar aufzeigen, dass es im Nationalsozialismus viele höchst unterschiedliche Opfergruppen gab: jüdische Opfer nationalsozialistischen Rassenwahns, Opfer im Rahmen des gnadenlosen Euthanasieprogramms ebenso wie Opfer im Rahmen der Verfolgung politisch Oppositioneller und Homosexueller. Es soll deutlich gemacht werden, dass buchstäblich jeder unter den Verfolgungsdruck des Regimes geraten konnte, der nicht in die nationalsozialistische Fiktion einer einheitlichen ‚Volksgemeinschaft‘ passte. Nicht selten gab es auch Fälle wie den unten dargestellten Karl Bonaszewski, bei dem heute mangels eindeutiger Quellenlage überhaupt nicht mehr abschließend ermittelt werden kann, weswegen genau er ins Visier des nationalsozialistischen Terrorapparates geriet: War er, wie die Familienlegende besagt, in der politischen Opposition aktiv und wurde deshalb verfolgt, oder hatte er gegen den im Nationalsozialismus noch einmal verschärften, aber heute abgeschafften ‚Schwulenparagraf‘ 175 verstoßen? Anhand der vorliegenden Quellen lässt sich die Frage nicht abschließend beantworten. So oder so steht aber fest, dass Karl Bonaszewski ebenso wie das Euthanasieopfer Maria Daniel und die zehn jüdischen Opfer gleichermaßen zu Opfern nationalsozialistischer Gewaltpolitik wurden.

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